Header image  
Avangarda BiH e.V  
 
 

 

Die Säule der Schande

15 Jahre nach Srebrenica entsteht ein Mahnmal der besonderen Art: gegen die Arroganz der Vereinten Nationen wird aus 16.744 Schuhen (für 8.372 Opfer) ein gigantisches Monument errichtet.

www.stubsrama.com

 

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Ratko Mladic in Serbien gefasst

In Serbien ist der meistgesuchte Kriegsverbrecher Europas festgenommen worden. Präsident Boris Tadic bestätigte die Verhaftung des ehemaligen Generals Ratko Mladic. Er ist in Den Haag wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs angeklagt. Ratko Mladic ist nach mehr als 15 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. Der als Kriegsverbrecher gesuchte frühere bosnisch-serbische General soll an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt werden.

Das Verfahren zur Überstellung könnte allerdings noch bis zu einer Woche dauern. Die Dauer des Verfahrens hänge davon ab, ob Mladic gegen eine Überstellung Rechtsmittel einlege, sagte Serbiens stellvertretender Staatsanwalt zur Ahndung von Kriegsverbrechen, Bruno Vekaric. Der Staatssekretär im Justizministerium, Slobodan Homen, sagte, Mladic werde derzeit einem Untersuchungsrichter vorgeführt, der ihm die gegen ihn erhobenen Vorwürfe verlesen werde. Sollte der Richter die Überstellung nach Den Haag anordnen und sollte Mladic dagegen keine Rechtsmittel einlegen, könnte der 69-Jährige binnen Stunden in ein Flugzeug Richtung Niederlande gesetzt werden. Dies galt aber als unwahrscheinlich. Den endgültigen Überstellungs-Beschluss müsste zuvor noch der serbische Justizminister unterschreiben. Das serbische Staatsfernsehen hatte zuvor berichtet, dass Mladic bereits in einem Flugzeug nach Den Haag sitze.

Mladic ist wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs zwischen 1992 und 1995 angeklagt. "Im Namen der Republik Serbien teile ich mit, dass Ratko Mladic verhaftet wurde", sagte Serbiens Präsident Boris Tadic in einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Jetzt könne Serbien "ein unrühmliches Kapitel seiner jüngeren Geschichte" abschließen.

Die Ergreifung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers gilt seit langem als Voraussetzung für einen Beitritt Serbiens zur Europäischen Union. "Ich hoffe, dass jetzt die Türen offen stehen", sagte Tadic.

Für Serbien hat Mladics Verhaftung auch symbolische Bedeutung. Sie öffne auch die Türen für die Versöhnung auf der ganzen Balkanhalbinsel, sagte Tadic. "Die Verhaftung ist wichtig für die Versöhnung". Serbien schließe damit ein Kapitel seiner Geschichte und befreie sich von einer schweren Last. Tadic verweigerte allerdings alle Angaben über Einzelheiten der Verhaftung. Das werde später durch die Sicherheitskräfte mitgeteilt, kündigte er an. "Mladic wurde auf dem Boden Serbiens verhaftet", sagte er lediglich.

Bekannt wurde mittlerweile, dass der von vielen seiner Landsleuten immer noch hoch geschätzte Mladic nicht mit seiner Verhaftung gerechnet hatte, hinter seiner falschen Identität als Milorad Komadic Schutz suchte. Er wurde in einem unscheinbaren bäuerlichen Anwesen in der Provinz ohne große Zwischenfälle festgenommen. Dort hatte er bei einem Verwandten Unterschlupf gefunden. Die immer befürchtete Schießerei der Leibgarde um Mladic und das von ihm angedrohte Blutbad gab es nicht. Der gewöhnlich gut informierte TV-Sender B92 in Belgrad meldete, die Festnahme sei durch den Geheimdienst in dem Dorf Lazarevo bei Zrenjanin, im Norden des Landes, erfolgt. Lazarevo liegt in der Autonomen Provinz Vojvodina, ungefähr 80 Kilometer von Belgrad entfernt.

www.sueddeutsche.de

Überlebende von Srebrenica verklagen niederländische Soldaten

Überlebende des Massakers von Srebrenica haben gegen drei damals in Bosnien stationierte niederländische Blauhelmsoldaten eine Klage wegen Völkermordes und Kriegsverbrechen eingereicht. Wie ihre Rechtsanwältin Liesbeth Zegveld am Dienstag mitteilte, werfen sie den Soldaten vor, ihre Angehörigen während des Völkermordes durch serbische Soldaten an Muslimen in dem bosnischen Ort 1995 nicht geschützt zu haben. Die Klage richtet sich gegen den damaligen Kommandeur und den Vizekommandeur des niederländischen UN-Bataillons Dutchbat III sowie einen Offizier.

Den Klägern zufolge hatten ihre Angehörigen Zuflucht bei den niederländischen UN-Truppen gesucht. Diese Soldaten hätten die Fliehenden jedoch "dem bosnisch-serbischen Feind ausgeliefert, welcher sie tötete". Die niederländischen Blauhelme waren zum Schutz der UN-Enklave Srebrenica abgestellt. Bei den Klägern handelt es sich um Hasan Nuhanovic, der seine Eltern und seinen jüngeren Bruder durch das Massaker verlor, sowie um die Witwe und die Kinder des getöteten Rizo Mustafic, Mehida, Damir und Alma Mustafic. Nuhanovic war zum Zeitpunkt des Massakers 1995 als Übersetzer bei den niederländischen UN-Truppen beschäftigt, Mustafic als Elektriker.

Dieselben Kläger machten auch den niederländischen Staat sowie die UNO für den Völkermord in Srebrenica verantwortlich. Ein Gericht in Den Haag wies jedoch die Klage gegen die Niederlande ab. Ein Berufungsgericht befand im März, dass die Vereinten Nationen in den Niederlanden strafrechtliche Immunität genießen. Bei dem von Gerichten als Völkermord anerkannten Massaker in Srebrenica wurden rund 8000 bosnische Muslime getötet. Das Massaker ereignete sich während des Bosnien-Krieges, der von 1992 bis 1995 dauerte.

Quelle: www.fr-online.de

Srebrenica – Erklärung: Serbien verurteilt Srebrenica-Massaker

Das Parlament Serbiens hat am Dienstag, den 30. März 2010 in Belgrad nach einer ganztägigen, zeitweise äußerst heftigen Debatte eine seit Monaten erwartete Erklärung angenommen, mit der das von bosnisch-serbischen Truppen im Juli 1995 in Srebrenica angerichtete Massaker an rund 8.000 bosnischen Muslimen "auf das Schärfste" verurteilt wird.

Bei den Hinterbliebenen entschuldigt sich Serbien, nicht genug getan zu haben, um das Verbrechen zu verhindern. Der strittige Begriff "Völkermord" wurde in der Erklärung, die von 127 von 250 Abgeordneten unterstützt wurde, nicht verwendet. Gegen die Erklärung stimmten 21 Abgeordnete, einer enthielten sich der Stimme. Abgeordnete der Opposition, der Serbischen Radikalen Partei und der Serbischen Fortschrittlichen Partei, boykottierten die Abstimmung.

"Achtung für die unschuldigen Opfer"

Mit der Srebrenica-Erklärung werde ein tragischer Abschnitt in der jüngsten Vergangenheit abgeschlossen und eine neue Perspektive für die kommenden Generationen eröffnet, sagte Nada Kolundzija, die Klubchefin der regierenden Demokratischen Partei (DS). "Mit unserer Achtung für die unschuldigen Opfer und mit dem Mitgefühl mit ihren Familien nehmen wir den künftigen Generationen die Last ab, welche uns Einzelpersonen hinterlassen haben", unterstrich Kolundzija.

"Schändliche Erklärung"

Oppositionsabgeordnete bezeichneten die Erklärung gar als „schändlich“. Man sprach auch vom „tragischsten Tag“ in der serbischen Geschichte seit dem NATO – Bombardement im Jahre 1999, vom „Helden Ratko Mladic“, dem flüchtigen ehemaligen Militärchef der bosnischen Serben, unter dessen direkter Kontrolle das Massaker angerichtet wurde. Eine heftige Debatte wurde zudem um die Zahl der Srebrenica-Opfer geführt. Zu hören war weiter die Ansicht, dass die Erklärung eine tiefe Spaltung zwischen Serbien und der Republika Srpska verursachen werde.

"Heuchlerische Erklärung"

Die Gesellschaft für bedrohte Völker in Bosnien und Herzegowina bezeichnete die Parlamentserklärung als einen „neuen Schlag“ für jene Personen, die das Massaker überlebt haben. Für Fadila Mamisevic, die Präsidentin der Gesellschaft, sei es „heuchlerisch“, ein Verbrechen „entsprechend dem Urteil des Internationalen Gerichtshofes“ zu verurteilen, ohne dabei zu sagen, was in dem IGH-Urteil stehe. Auch würde Serbien mit seiner Erklärung das moralische Recht erlangen, zu verlangen, dass die Verantwortung für alle Kriegsverbrechen, auch jene an Serben, zur Rechenschaft gezogen werden. Für Nenad Canak, den Chef der mitregierenden Liga der Vojvodina-Sozialdemokraten, ist Srebrenica eine "serbische Schande", der frühere Militärchef der bosnischen Serben Ratko Mladic ein "Massenmörder".

Quelle: www.fr-online.de

 

Gedenken, erinnern, lernen, verhindern

Unabhängig davon, wo man sich auf dieser Welt mit einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit und mit Völkermord auseinandersetzt, begibt man sich auf einen schmalen Pfad der Vergangenheitsbewältigung.

Wer diesen Pfad betritt, muss sich im Klaren sein, dass sein Urteil, seine Meinung und sein Gedenken an etwas Geschehenes und nicht mehr rückgängig zu Machendes mit Bedacht geäußert werden müssen. Von großer Bedeutung sind die Opfer und die Betroffenen, die im Mittelpunkt stehen müssen. An diese Menschen soll in Trauer gedacht werden, um durch das Erinnern Nachahmung oder Wiederholung zu verhindern. Am leichtesten läuft man wohl Gefahr, vom Pfad des Gedenkens abzukommen, wenn man sich mit den Tätern von solchen Verbrechen befasst. Auch wenn die Täter ohne die geringste Entschuldigung und auf das Schärfste verurteilt werden müssen, so gilt es doch, die Gefahr der Generalisation, die Gefahr der Gleichsetzung von Täter und bestimmten Gruppen oder ganzen Völkern zu vermeiden. Bei einer simplen Verknüpfung zwischen den Tätern und ihrer Nationalität besteht die Gefahr, Gefühle von Völkerhass und sogar Rache hervorzurufen. Deshalb ist es nicht einfach, sich der Aufgabe des Gedenkens zu stellen. Aber es ist notwendig, will man aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen und Erfahrungen an die kommenden Generationen weitergeben.

Avangarda BiH e.V. hat sich dieser Aufgabe gestellt. Wir hoffen, dass man bald nur ein einziges Wort aussprechen muss, um der Welt und vor allem Europa in Erinnerung zu rufen, was geschehen ist: das Wort SREBRENICA!

Der Genozid in Srebrenica

Srebrenica ist eine kleine Stadt im Nordosten von Bosnien und Herzegowina, nahe der Grenze zu Serbien. Sie wurde bereits in den ersten Kriegstagen vom von der offiziellen Armee der Republik Bosnien und Herzegowina kontrollierten Gebiet abgespalten und hielt sich bis zum Sommer 1995 als Enklave in einem von der Armee der bosnisch- herzegowinischen Serben eroberten Gebiet.

Auf Grund dieser besonderen Umstände und der Lage, in der sich die Bewohner mehrerer solcher bosnisch-herzegowinischer Enklaven befanden, wurden einige Kleinstädte in Bosnien und Herzegowina (darunter auch Srebrenica) am 16. April 1993 vom UN- Sicherheitsrat zur so genannten UN-Sicherheitszonen erklärt.

Das bedeutet im engsten Sinne, dass solche Gebiete von den Vereinten Nationen geschützt und versorgt werden, bis der Krieg in der Region beendet ist. Doch am 6. Juli 1995 greifen die Streitkräfte der bosnisch-herzegowinischen Serben unter dem militärischen Oberkommando von Ratko Mladi? und dem politischen Oberkommando von Radovan Karadži? die Region um Srebrenica und die Stadt selbst an. Diese kann sich nicht wirklich verteidigen, da die verteidigenden Kräfte der Stadt bereits 1993 ihre Waffen abgeben mussten, um zur UN-Sicherheitszone erklärt werden zu können. Aus dem ganzen Umland von Srebrenica erreichen Flüchtlinge die Stadt.

Die UN-Streitkräfte greifen in keinem Moment aktiv in das Geschehen ein. Sie drohen lediglich mit Luftangriffen gegen serbische Stellungen. Am 10. Juli meldet sich der bosnisch- herzegowinische Reporter Nihad Nino ?ati? aus Srebrenica: „Tote und Verletzte werden ohne Unterbrechung in die Klinik gebracht. Es ist unmöglich, alles zu beschreiben. Jede Sekunde treffen je drei tödliche Granaten auf die Stadt. [] Kann jemand aus der Welt herkommen und diese Tragödie sehen, um zu berichten, was hier mit Srebrenica und ihren Bewohnern geschieht? Die Einwohner dieser Stadt verschwinden. Steht hinter all diesem Akaschi, Butros Gali oder jemand anderes? Ich habe Angst, dass es für Srebrenica bald egal sein wird.“ Dies ist die letzte Meldung von Nihad Nino ?ati? aus Srebrenica. Bis heute weiß man nicht, wo er ist. Am 11. Juli wird die Stadt von den Streitkräften der bosnisch- herzegowinischen Serben erobert. Es beginnen die ersten Vergewaltigungen und Morde durch die einmarschierenden Truppen. Die Bewohner flüchten in Richtung des UN- Stützpunktes. Entsprechend einem Übereinkommen von Ratko Mladi? und den UN- Streitkräften werden alle Kinder (bis ca. 13 Jahre) und Frauen in die Gebiete deportiert, die von der bosnisch-herzegowinischen Armee kontrolliert werden. Dagegen werden alle Männer und Jungen – vor den Augen der UN-Streitkräfte – durch die Truppen von Ratko Mladi? aussortiert und verschleppt. Selbst die Menschen, die zuerst in die UN Basis gelassen wurden, werden aus dieser in die Hände der serbischen Armee geführt….

…Über dem UN-Stützpunkt weht, über der Menschenmasse, die Flagge der UN. Unter der Flagge der Vereinten Nationen werden die Menschen abgeführt. Ab diesem Zeitpunkt herrscht Unklarheit. Bis heute ist nicht bekannt, wie viele Männer und Jungen es damals genau waren, die verschleppt und ermordet wurden.

Mitten in Europa! In einer UN-Sicherheitszone! Unter der Flagge der UN! Vor den Augen der Welt! Am Ende des 20. Jahrhunderts! Genozid! SREBRENICA!

Es werden noch immer – über ein Jahrzehnt danach – im Umland von Srebrenica Massengräber entdeckt. Schätzungen zufolge handelt es sich um 8.000 Menschen, die innerhalb von wenigen Tagen auf verschiedenste Art und Weise ermordet wurden. Jedes Jahr finden am 11. Juli in Srebrenica eine Beerdigung der Identifizierten und eine Gedenkveranstaltung für alle Opfer statt. Auf Grund der Entdeckung immer neuer Massengräber und dem komplexen Identifikationsprozess ist nicht abzuschätzen, wann alle Opfer ihre letzte Ruhestätte finden werden.

Der lange Weg zur Gerechtigkeit

Die Republik Bosnien und Herzegowina hatte im März 1993 eine Klage wegen Genozids gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien beim Internationalen Gerichtshof eingereicht. Rechtsnachfolger dieses Staates sind Serbien sowie Montenegro.

Der Internationale Gerichtshof hat im März 2007 folgendes entschieden: Es wurde klar darauf hingewiesen, dass die jugoslawische Regierung unter dem damaligen Präsidenten Slobodan Miloševi? die Armee der bosnisch-herzegowinischen Serben bei ihren ethnischen Säuberungen finanziell, logistisch und ideologisch unterstützt habe. Ferner sei klar, dass die jugoslawische Regierung keinerlei Initiativen zur Verhinderung von Massakern wie in Srebrenica ergriffen habe. Jedoch wurden Serbien und Montenegro auf Grund von Mangel an Beweisen von der Mittäterschaft freigesprochen. An dieser Stelle möchten wir auf Aufnahmen von serbischen Soldaten aufmerksam machen, die ihre Taten filmten. Diese Soldaten gehörten zur damaligen Eliteeinheit Škorpioni, einer Spezialeinheit des Innenministeriums der Republik Serbien. Das Video wurde beim Miloševi?-Prozess in Den Haag vorgeführt

Vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal liefen und laufen mehrere Strafverfahren gegen die Täter. Radislav Krsti?, der serbische Offizier, der zusammen mit dem serbischen General Ratko Mladi? den Angriff auf Srebrenica leitete, wurde wegen des Genozids von Srebrenica verurteilt und erhielt eine Freiheitsstrafe von 46 Jahren. Slobodan Miloševi?, der Präsident Serbiens während des Krieges in Bosnien und Herzegowina und der spätere Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien, verstarb noch während seines Prozesses vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Ein Anklagepunkt war unter anderem der Genozid von Srebrenica.

Die Vereinigung „Frauen aus Srebrenica“ reichte vor einem niederländischen Gericht eine Klage gegen die Vereinten Nationen und den niederländischen Staat ein. Nach Auffassung der Hinterbliebenen hatten die Vereinten Nationen keine ausreichenden Maßnahmen für den Schutz der Menschen in der UN-Schutzzone ergriffen, beziehungsweise überließen die unbewaffneten männlichen Flüchtlinge den Truppen von Ratko Mladi?. Die Klage wurde abgewiesen, da die Vereinten Nationen nach der internationalen Rechtspraxis Immunität genießen.

Radovan Karadži?, der politische Führer der bosnisch-herzegowinischen Serben während des Krieges in Bosnien und Herzegowina, wurde erst im Juli 2008 in Serbien verhaftet und an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert. Unter anderem beinhaltet die Anklageschrift den Genozid von Srebrenica, die Terrorisierung und Tötung von Nicht- Serben in über 25 Gemeinden und Städten Bosnien und Herzegowinas.

Das Europäische Parlament hat im Januar 2009 eine Resolution angenommen, in der der Genozid von Srebrenica verurteilt wird. Alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, sowie alle Länder, die eine Mitgliedschaft anstreben, werden dazu aufgerufen, den 11. Juli zum Gedenktag an den Völkermord von Srebrenica zu erklären. In Bosnien und Herzegowina scheiterte das Gesetz zur Verhinderung der Verneinung des Holocaust und Genozids am Widerstand serbischer Mitglieder des bosnisch-herzegowinischen Parlamentes. Serbien hat über eine ähnliche Resolution noch nicht im Parlament abgestimmt.

Ratko Mladi?, General und Oberbefehlshaber der serbischen Armee in Bosnien und Herzegowina wurde erst im Juni 2011 in Serbien verhaftet und an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert. Im Zuge der Annäherung Serbiens an die Europäische Union war die Auslieferung Ratko Mladi?s eine ultimative Forderung einiger Staaten der EU für die weiteren Gespräche eines Beitritts Serbiens in den Staatenbund. Es ist dabei offensichtlich, dass diese Verhaftung mehr einem politischen Zweck dient als eine wirkliche Aufarbeitung der Vergangenheit darstellt. Es wurde deutlich, was die überwiegende Weltöffentlichkeit seit jeher vermutete: Karadži? und Mladi? - beide Hauptschuldigen für den Völkermord und die Kriegsverbrechen in Bosnien und Herzegowina wurden aktiv von einflussreichen Teilen der serbischen Politik, Armee und Gesellschaft beschützt und gedeckt. Diese Teile Serbiens sind weiterhin ein Hindernis für den gesellschaftlichen Wiederaufbau Bosnien und Herzegowinas und für die Stabilität des gesamten Balkans, da sie nicht nur diese Personen sondern auch deren blutige Resultate schützen und zementieren wollen. Es ist jedoch eine moralische und juristische Konsequenz, dass etwas auf unrecht basierendes, wie die ethnische Vertreibung innerhalb Bosnien und Herzegowinas, keine Basis darstellen darf für die weiteren politischen und gesellschaftlichen Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse in Bosnien und Herzegowina. Die Welt darf nicht vergessen, wenn sie Nachrichten über die heutigen separatistischen Kräfte in Bosnien und Herzegowina hört, dass das angebliche Recht dieser Separatisten auf einer blutigen Aggression, auf über 90.000 Kriegsopfern, auf Konzentrationslagern auf der Terrorisierung der Zivilbevölkerung und einem geplanten, gewollten und flächendeckend durchgeführten Völkermord beruht. Solche Separatisten und ihre Forderungen dürfen keine politische Anerkennung finden.

Don´t forget Srebrenica!

Jedes Wort dieses Textes und unser Projekt „Don`t forget Srebrenica“ soll an die Gräueltaten von Srebrenica erinnern. Avangarda BiH e.V. erhofft sich dadurch in Deutschland und europaweit, auch dank bedeutender Unterstützung schon seit dem Jahr 2005, zum alljährlichen Gedenken an den Genozid von Srebrenica beizutragen. Durch unsere Arbeit wollen wir die Erinnerung an diese schreckliche Tat aufrechterhalten, an den wohl größten Misserfolg der Weltgemeinschaft und der Vereinten Nationen in ihrer Geschichte. In Srebrenica sind alle zivilisatorischen Errungenschaften der Menschheit zusammen mit den Opfern abgeführt worden. Wir wollen, dass man der Opfer gedenkt, dass man ermahnt und erinnert, aus der Vergangenheit lernt und jegliche Form von Gewalt in Zukunft verhindert.

Unser Projekt befasst sich im Rahmen unserer Möglichkeiten mit dem Genozid von Srebrenica. Doch die Aggression gegen Bosnien und Herzegowina sowie die Kriege in Kroatien, im Kosovo und die Bombardierung Serbiens führten zu vielen Opfern und enormen Zerstörungen. Der Völkermord von Srebrenica ist nur die Spitze des Eisbergs der vielen mit diesen Kriegen verbundenen Verbrechen. Aber er zeigt am deutlichsten die Ausmaße nationalistischer und faschistischer Politik und auch der falschen Beurteilung des Balkankonflikts durch die internationale Gemeinschaft.

Wir hoffen, mit diesem Projekt auch zur Versöhnung von zerstrittenen Völkern beitragen zu können. Die Anerkennung der historischen Verantwortung und in noch größerem Maße die Anerkennung der Wahrheit ist jedoch die Voraussetzung für Versöhnung. Ohne Wahrheit kann es keine Versöhnung geben.

München, den 25. Juni 2011

Avangarda BiH e.V.

Quellen:

http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?type=TA&reference=P6-TA-2009- 0028&language=DE

http://www.abc.net.au/news/stories/2005/12/30/1539599.htm

http://www.genocid.org

http://www.icty.org/

http://www.stern.de/politik/ausland/:Srebrenica-Massaker-Mitschnitt/541278.html

http://srebrenica1995.de/

www.stubsrama.com


DON´T FORGET